Tischlein deck dich - das XXL-Dilemma

Auf der Suche nach den Ursachen für die „Epidemie“ Übergewicht erkennen Experten schon seit längerem die immer größer werdenden Portionen, die vor allem in Fast-Food Restaurants angeboten werden, als gravierendes Problem. Werden größere Portion angeboten, dann werden sie meist auch aufgegessen. Auf diese Weise nimmt man mehr Kalorien zu sich, ohne sich dessen bewusst zu sein, wie viel man eigentlich gegessen hat.

Das Problem dabei: man isst nicht, bis man satt ist, sondern bis der Teller leer ist. Eine interessante Studie aus Amerika, dem Land der XXL-Portionen, bestätigt diese Annahme einmal mehr.

„Wenn du auf deinen Körper hörst, sobald er dir Hunger signalisiert, dann kannst du ihn auch hören, wenn er sagt: genug!“

Säuglinge und Kleinkinder wissen genau, wann sie hungrig oder wann sie satt sind. Wird ein Säugling gestillt, dreht er den Kopf zur Seite, wenn er genug hat. Aber im Laufe der Zeit lernt man, auf diesen instinktiven Impuls immer weniger zu hören, und irgendwann nimmt man ihn nicht mehr wahr.

Fortschreitende Sozialisation, schlechte oder falsche Ernährungserziehung und nicht zuletzt das ständig vorhandene Überangebot an billigen und wohlschmeckenden Lebensmitteln führen dazu, dass wir verlernen, auf unser angeborenes Hunger- und Sättigungs-Regulationssystem zu hören.

Bei der Regulation der Nahrungsaufnahme stehen Hunger und Sättigung (als Innenreiz) einer Vielzahl an äußeren Reizen gegenüber: Zum Beispiel zu essen, weil gerade Zeit ist, aus Langeweile, Frust oder weil man aus Höflichkeit einem Gastgeber gegenüber sein Teller leer isst, obwohl man schon vorher satt war.  Oder man isst, um sich zu belohnen, zu trösten, oder weil man bestimmte Tätigkeiten wie Fernsehen oder ähnliches, mit Essen verbindet.

Wie sehr Menschen verlernt haben, auf ihr Hunger- und ihr Sättigungsgefühl zu hören, zeigt ein Experiment an der Cornell University im US-Staat New York:

Dabei wurden 54 Studenten zum Essen von Suppe eingeladen. Die Studenten wussten allerdings nicht, dass die Hälfte von ihnen die Suppe in normalen Tellern serviert bekam, während der anderen Hälfte ihre Suppe in manipulierten Tellern vorgesetzt wurde. Diese Teller waren mit einem versteckten Schlauchsystem derart ausgestattet, dass sie sich ständig wieder auffüllten. Ergebnis dieses Tischlein-Deck-Dich-Experiments war, dass die Studenten mit den manipulierten Tellern um 73% mehr Suppe gegessen hatten, als die Studenten mit den normalen Tellern. Anschließend befragte man die Studenten, wie viel sie nach ihrer Einschätzung gegessen hatten und wie groß ihr Sättigungsgrad wäre. Das Ergebnis war, dass es kaum Unterschiede in der Wahrnehmung, sowohl bezüglich der aufgenommenen Menge, als auch im Hinblick auf den Sättigungsgrad gab.

Fazit: je größer die vorgesetzte Portion ist, desto mehr Kalorien werden aufgenommen, ehe man sich „satt“ fühlt.