Der hohe Preis der Fleischeslust

Es ist schon längere Zeit bekannt, dass es gesünder ist, sich vorwiegend pflanzlich zu ernähren. Wer zu viel Fleisch isst, nimmt damit zu viel Cholesterin und ungünstige Fette zu sich und erhöht so sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dennoch wird in industrialisierten Ländern nahezu täglich Fleisch gegessen.

Neben dem ernährungsphysiologischen Bezug gibt es auch eine Reihe ökologischer und sozialer Aspekte der modernen „fleischbetonten“ Ernährungsweise: der hohe Fleischkonsum der westlichen Länder wirkt sich bedrohlich auf die Welternährung, das Klima und die Umwelt aus.

Herr und Frau Österreicher verzehren pro Kopf und Jahr 70 kg Fleisch und liegen damit im europäischen Spitzenfeld. Pro Tag werden im Durchschnitt 130 g Fleisch- und Wurstwaren gegessen, etwa 2/3 davon in Form von rotem Fleisch. Männer konsumieren dabei wesentlich mehr tierische Produkte, nämlich fast doppelt so viele, wie weibliche Fleischesser.
Global gesehen liegt der Fleischkonsum im Schnitt bei 40 kg pro Person und Jahr. Dabei ist der Pro-Kopf-Verbrauch in den industrialisierten Ländern mit 82 kg deutlich höher, als in Entwicklungsländern mit 30 kg. Der Verbrauch von Fleisch in den Industrieländern stagniert auf hohem Niveau, in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist er allerdings in den letzten Jahren stark gestiegen! So hat sich zum Beispiel in China der durchschnittliche Fleischverbrauch pro Person  in den vergangenen 30 Jahren von 14 kg auf 60 kg jährlich mehr als vervierfacht.

Den bedenklichen Entwicklungen beim Fleischkonsum stehen weltweit 880 Millionen Menschen gegenüber, die Hunger leiden. "Genug hätten wir, aber es gibt ein Verteilungsproblem" – sagen Experten. Eine Umstellung auf pflanzliche Lebensmittel könnte die Ernährungssicherheit (=Verfügbarkeit von Nahrung, Zugang zu Lebensmitteln) für alle Menschen auf der Welt gewährleisten. Denn die Viehhaltung verbraucht zwei- bis dreimal mehr Land, Wasser und Energie, als die Produktion pflanzlicher Lebensmittel dies tut. So verbraucht ein Steak in der Erzeugung 35mal mehr Primärenergie, als es enthält.

Ein weiteres ökonomisches und soziales Problem ist der Bezug der Unmengen an Futtermitteln, die an die Fleischlieferanten verfüttert werden. Unsere Futtermittel reichen bei weitem nicht für die hohe inländische Fleischproduktion aus. Also importiert klein Österreich jährlich 500.000 bis 600.000 Tonnen Soja aus Argentinien, Brasilien und den USA, Ländern, in denen teilweise der Nahrungsbedarf für die eigene Bevölkerung nicht gedeckt ist. Im Moment werden 40 Prozent der weltweiten Getreide- und 90 Prozent der Sojaernte für die Futtermittelproduktion verwendet. Würden die Erträge nicht an Nutztiere verfüttert werden, könnten 3,5 Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden, denn um nur 1 kg tierisches Eiweiß aufzubauen, benötigt man 5-7 kg pflanzliches Protein.

Viehhaltung verursacht 18 Prozent aller Treibhausgase, mehr, als das gesamte Transportaufkommen. Das begünstigt den Klimawandel und damit die Erderwärmung, was besonders für die südlichen Länder verheerende Folgen hat und zu noch mehr Belastung für diese ärmeren Länder führt.

Fazit: Dieser Artikel soll kein Feldzug gegen das Verzehren von tierischen Produkten sein. Fleisch ist ein hochwertiges Lebensmittel, liefert hochwertige Proteine und  trägt maßgeblich zur Versorgung mit Vitamin B12 und Eisen bei. Es sollen diese Zeilen zum Nachdenken anregen, wie viel man von welchen Lebensmitteln wirklich „braucht“ , woher sie kommen und wie groß der ökologische Fussabdruck ist, den sie hinterlassen.