Essen gegen Gefühle - Teil II: Langeweile macht "hungrig"

Wer kennt ihn nicht, den Gang zum Kühlschrank, weil man gerade nichts Besseres zu tun hat. Dann durchsuchen wir den Kühlschrank nach etwas, worauf wir Lust haben, obwohl wir eigentlich gar nicht hungrig, sondern gelangweilt sind.

Auch Essen aus Langeweile ist eine anerzogene Verhaltensweise:

Schauen Sie sich einmal bewusst um, wenn Sie durch einen Park gehen oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs sind…dann wird Ihnen auffallen, wie viele Kinder mit Essen beschäftigt sind.
Der Grund: ausgedehnte Spaziergänge oder Straßenbahnfahrten sind für die im Kinderwagen festsitzenden Kleinen langweilig. Wenn sie quengeln, hält die Mutter sie mit einer Semmel oder einer Biskotte bei Laune. Natürlich empfindet das Kind das als positiv. Weil dieses Ritual sich wiederholt, prägt sich das Muster allmählich ein und wird dann ein Leben lang beibehalten. Sobald man Langeweile spürt, assoziiert das Unterbewusstsein: „Rasch etwas essen, dann geht es mir wieder gut.“

Das sind dann allerdings die Kleinigkeiten zwischendurch, die man meist nicht als Mahlzeit registriert. Die meisten Menschen nehmen Essen nur als solches wahr, wenn es auf einem Teller angerichtet ist und im Sitzen eingenommen wird. Ein paar Kekse im Stehen aus der Dose geknabbert, ein belegtes Brot auf dem Weg gegessen – das ist doch keine Mahlzeit.

Fazit: Nur wenn die Mechanismen, wie Fehlverhalten sich entwickelt und manifestiert, bekannt sind, gibt es auch Wege heraus. Was sich im Unterbewusstsein festgesetzt hat, lässt sich auch wieder entfernen. Vielleicht aber hilft dieses Wissen auch, dass unsere Kinder so manches Fehlverhalten gar nicht mehr erlernen.

Essen gegen Gefühle - Teil I: Bittere Trostzuckerl