Essen gegen Gefühle - Teil I: Bittere Trostzuckerl

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen

Diese uralte Volksweisheit beschreibt recht treffend, was Wissenschaftler viel später erst bestätigen konnten: Das Essen hat auch eine wichtige psychologische Funktion. Wir essen nicht nur aus Hunger. Wir essen auch, weil wir traurig, gelangweilt, fröhlich oder angespannt sind, zur Belohnung oder um Stress abzubauen - kurz: um vermeintlich besser mit Emotionen umgehen zu können. Essen lenkt ab und hilft, unangenehme Erlebnisse schneller zu bewältigen, kann Frustrationen lindern und für überstandene Schwierigkeiten belohnen.

Unser Essverhalten besteht aus erlernten und automatisierten Verhaltensweisen, die fest ineinander verwoben sind. Dabei schleichen sich Muster ein, die uns meistens gar nicht bewusst sind. Viele Menschen tappen in ähnliche "Essfallen". Einige dieser Essfallen wollen wir in der Serie "Essen gegen Gefühle" aufdecken.

Essen als Ersatz- bittere Trostzuckerl

Schon während der Stillenzeit und noch mehr nach dem Abstillen lernen Kinder, dass die Nahrungsaufnahme viel mehr bedeutet, als die Befriedigung des Bedürfnisses Hunger. Schon früh wird Essen mit emotionalen Erfahrungen verknüpft. Ein Beispiel: Wenn ein Säugling aus einem Unlustgefühl (Einsamkeit, Bauchweh, nasse Windel…) heraus schreit, wird das von der Mutter oft als Hunger fehlinterpretiert und dem Kind wird etwas Essbares angeboten. Das Kind wird lernen, Unbehagen mit Essen zu dämpfen, manifestiert sich.

Essen zum Trost ist eine Verhaltensweise, für die ebenfalls schon in der Kindheit der Grundstein gelegt wird: Uns allen ist doch das sogenannte „Trostzuckerl“ bekannt. Verletzt sich ein Kind, oder ist es traurig, bekommt es Süßigkeiten zur Aufmunterung. Die Botschaft dahinter ist: Schlechte Gefühle dürfen nicht sein – wir beseitigen sie durch Essen - „Essen tröstet“. Im Alltag passieren ganz oft unangenehme Situationen und kleine Frustrationen, wie jeder weiß. Dementsprechend problematisch ist es, wenn die Nahrungsaufnahme als Ersatz programmiert ist.

Jeder von uns kennt das: man will sich nach einem harten oder anstrengenden Tag mit einem guten Essen belohnen, sich entspannen oder etwas Gutes zu tun. Es ist ein übernommenes Verhalten, durch Nahrungsaufnahme  etwas anderes zu ersetzen. Ein Gespräch, Zuwendung, Entspannung, Trost, ...

„Von dem Augenblick an, an dem Babies schreien und Mütter, die nicht wissen, was fehlt, einen Keks geben, wird der Zusammenhang zwischen Essen und Hunger immer undeutlicher.“