„Nicht Wachstum löst unsere Probleme, sondern Gleichgewicht!"

Alfred Haiger - Analyse agrarischer Entwicklungen

Alfred Haiger - Analyse agrarischer Entwicklungen

Der heute 76-jährige Gelehrte war 27 Jahr lang Vorstand des Instituts der Nutztierwissenschaften an der BOKU Wien. Hunderte Studierende wollten sich seine Abschiedsvorlesung im Jahr 2002 nicht entgehen lassen, sodass diese von der BOKU an die Hauptuni Wien verlegt wurde.

Die immer wieder von Agrarpolitikern beschworene Intention der "nachhaltigen Produktionssteigerung" führe laut Haiger zu einer enormen Abhängigkeit der Dritten Welt. Zwei Drittel der EU-Futterimporte stammen - finanziell enorm gestützt - aus Entwicklungsländern. "Nicht Wachstum löst unsere Probleme, sondern Gleichgewicht", sagt er.

Wir müssen uns vor Augen halten, dass die Pflanzengiftausbringung EU-weit rund 300.000 Tonnen Wirkstoffe pro Jahr umfasst. Außerdem weist Haiger darauf hin, dass Soja viermal soviel Energie wie Gerste und beinahe zehnmal soviel wie Weidegras braucht. Er kritisiert den enormen Verzehr von tierischem Eiweiß, welcher sowohl vom gesundheitlichen Aspekt her bedenklich ist, als auch zur Folge habe, dass der Flächenbedarf für die Fleischproduktion enorm groß ist.

Alfred Haiger fordert die Sicherung des Einkommens der Biobauern über entsprechende Lebensmittelpreise. Im Gegensatz dazu können dafür gesunde, gentechnikfreie Lebensmittel, trinkbares Grundwasser, fruchtbare Böden, artgerecht gehaltene Tiere, eine gepflegte Kulturlandschaft und Sicherheit gewährleistet werden.