Wie gesund ist Kokosöl wirklich?

Wissenschaftlich haltbare Nachweise sind Mangelware

Kokosöl für die Gesundheit: Wissenschaftlich haltbare Nachweise sind Mangelware

Kokosöl ist ein weißes, nicht sehr festes, geschmackloses Fett, dessen Konsistenz durch den industriellen Verarbeitungsprozess entsteht.

Ist Kokosöl förderlich für die Gesundheit? Wissenschaftlich relevante Beweise gibt es kaum.

Kokosöl ist in unserer Küche noch nicht sehr lange bekannt. Nun aber hat es seinen Platz in den Supermärkten als sogenanntes „Superfood“ gefunden. Doch ist dieses Öl, was eigentlich keines ist, unserer Gesundheit zuträglich? Wie verhält es sich mit den Eigenschaften des „Wunderöls“ und fördern diese wirklich die Gesundheit? Hierzu haben Wissenschaftler von der British Nutrition Foundation einen interessanten Bericht verfasst. [1]

Kokos-Plattenfett wird schon jahrzehntelang in Gastronomie und Haushalt als Brat- und Backfett verwendet, wohingegen Kokosöl bis vor wenigen Jahren bei uns so gut wie unbekannt war. Im Umweg über die Kosmetikbranche wird es aber jetzt wegen seiner behaupteten Eigenschaften auch als Lebensmittel propagiert.  

Angeblich wirkt es gegen Bakterien, Viren und Pilze, beugt Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und hilft sogar bei der Gewichtsabnahme. Auf der Suche im Internet nach „Kokosöl“ öffnen sich Seiten von mehr als zweifelhafter Herkunft, wie z.B. eine Online-Marketing-Agentur in Tunesien, die nachweislich ihre Angaben über die Verwenderzahlen  auch bei anderen vorangegangenen Testprodukten verfälscht hat.

Eigenschaften:

Das altbekannte „Kokosfett“ wird - genau wie das neue native Kokosöl - aus dem Fruchtfleisch der Kokosnuss gewonnen. Es wird aus getrocknetem Fruchtfleisch (Kopra) gepresst, danach raffiniert, desodoriert und gebleicht. Das Ergebnis ist ein weißes, festes Fett, das hoch erhitzbar ist, weshalb man es gerne zum Braten verwendet.

Das „native Kokosöl“ wird aus dem frischen (nicht getrockneten) Fruchtfleisch oder der Kokosmilch extrahiert und nicht chemisch behandelt. Es ist bei Raumtemperatur fest, schmilzt jedoch ab 25 Grad Celsius. Kokosöl enthält ca. 92 % gesättigte Fettsäuren, 6,4 % einfach- und 1,5 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Butter dagegen hat rund 52 % ungesättigte Fettsäuren. Ins Auge fällt der mit 50 Prozent ziemlich hohe Gehalt an Laurinsäure sowie größere Mengen Myristin- und Palmitinsäure, nämlich zusammen zwischen 20 und 25 %, sowie mittelkettige Fettsäuren (MCT), Capryl- und Caprinsäure (zusammen ca. 14 %).

Der hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren sollte unbedingt Beachtung finden, denn diese beeinflussen den Fettstoffwechsel ungünstig und erhöhen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ungesättigte Fettsäuren sind zwar hauptsächlich in Pflanzenfetten vorhanden, allerdings nicht im Kokosöl. Trotzdem wurde dem Verkauf Tür und Tor geöffnet, weil einige jüngere Studien die negative Wirkung von gesättigten Fettsäuren in Frage stellten.

Eine große Zahl an Studien bescheinigt Oliven-, Raps- und Leinöl bei maßvoller Verwendung gesundheitsfördernde Effekte, hingegen gibt es kaum Studien, die wissenschaftliche Nachweise für die behaupteten gesundheitlichen Effekte von Kokosöl erbringen.

 

Conclusio:

Nicht raffiniertes Kokosöl kann, in  kleinen Mengen verwendet, mit seinem frischen, angenehmen-süßlichen Geruch unsere Küche bereichern. Einen gesundheitlich relevanten Grund zum Verzehr von größeren Mengen Kokosöl gibt es allerdings nicht. Sozialkritische und ökologische Fragen zur Kokosölproduktion sind hier außer Acht gelassen und sind bei einer Beurteilung noch zusätzlich zu bedenken.

 

 

Quellen:

[1] http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nbu.12188/abstract