Glutenfrei ist nicht gesünder

Menschen mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) müssen lebenslang auf das Klebereiweiß (Gluten) aus Weizen, Roggen und Gerste verzichten. Denn die Glutenaufnahme führt zu Dünndarmentzündungen mit Blähungen und heftigen Durchfällen. Anämie und Osteoporose gehören zu den Spätfolgen.

Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet an dieser Unverträglichkeit. Tatsächlich verzichten aber immer mehr Menschen auf das Klebereiweiß in ihrer Ernährung, weil sie sich davon einen gesundheitlichen Vorteil versprechen. Das hat sich in Deutschland, aber vor allem auch in den Vereinigten Staaten zu einem großen Trend entwickelt. Aber wie sinnvoll ist das?

Zwei Beobachtungsstudien aus den USA haben nun gezeigt, dass eine glutenfreie Kost für Gesunde sogar bedenklich sein kann. Denn mit dem Klebereiweiß werden meist auch wertvolle Vollkornprodukte aus der Ernährung verbannt, die sich positiv auf die Herzgesundheit auswirken.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler der Universität von Columbia Daten von mehr als 100.000 Männern und Frauen ausgewertet. Zu Studienbeginn litten sie weder an einer Herzkrankheit, noch an Zöliakie. Die Probanden machten regelmäßig Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten, um die Glutenaufnahme berechnen zu können. Im Laufe des Beobachtungszeitraums von 26 Jahren wurde bei 2431 Frauen und bei 4098 Männern eine koronare Herzkrankheit (KHK) diagnostiziert. Die KHK ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die für die Blutversorgung des Herzens zuständig sind. Durch Ablagerungen werden sie immer enger. Der zunehmend gestörte Blutfluss kann zu Herzrhythmusstörungen und einem Herzinfarkt führen.

Die Menge des aufgenommenen Klebereiweißes hatte dabei keinen nachweisbaren Einfluss auf das Erkrankungsrisiko, berichten die Wissenschaftler im British Medical Journal (BMJ).

Eine weiterführende Analyse ließ vermuten, dass eine glutenarme Kost sogar zu einem geringeren Verzehr von herzgesunden Vollkornerzeugnissen führen kann:
Dazu wurden mehr als 1.300 glutenfreie Produkte auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Es zeigte sich, dass diese Produkte mehr Fett und Zucker enthalten als ihre glutenhaltigen Originale. Das in der Studie aufgedeckte Ungleichgewicht kann sich nachteilig auf das Wachstum von Kindern auswirken und das Risiko für Fettleibigkeit im Kindesalter erhöhen, was wiederum das Entstehen von Diabetes begünstigen kann.

Darum sind Gesunde gut beraten, wenn sie nicht auf den Trend zur glutenfreien Ernährung aufspringen. Sie tun damit nicht nur ihrer Gesundheit sondern auch ihrem Geldbeutel etwas Gutes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

[1] https://science.apa.at/rubrik/medizin_und_biotech/Glutenarme_Ernaehrung_koennte_sich_negativ_auswirken/SCI_20170310_SCI39371351234905958

[2] http://www.oege.at/: Mitgliederinformation 02/2017